Die Katastrophe: Ramstein 28.8.1988

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Der 28. August 1988.

Volksfest auf der US-amerikanischen Airbase Ramstein. Ein schöner Sommertag, 350 000 Besucher am Rand der Rollbahn. Die italienische Militärstaffel "Frecce Tricolori" fliegt in 40 m Höhe mit ihren Kampfmaschinen ein waghalsiges Manöver. Es heißt: "Ein Herz bilden'. Doch plötzlich kollidiert einer der Jäger mit zwei anderen. Die Flugzeuge trudeln zu Boden, zerschellen in einem riesigen Glutball. Eine Feuerwalze aus brennendem Kerosin und die Druckwelle der Explosion schießen auf die Menge zu.

Schon in den frühen Morgenstunden begannen die Autoschlangen aus allen Himmelsrichtungen, vor allem aus dem Rhein-Neckar-Raum, die Air Base Ramstein anzufahren. Es gab keine vergleichbare deutsche Veranstaltungen mit derartig gewaltigen Zuschauermengen. In der Überzahl waren es männliche Besucher, viele technikfaszinierte Väter mit ihren Söhnen. Weibliche Besucher waren nach unseren Erkundigungen meistens notgedrungen mitgefahren. Sie waren es auch, die später überwiegend die Gefahr von solchen risikohaften Vorführungen im Vorfeld gewittert hatten, oftmals sogar erheblich warnten und viele sogar deswegen zu Hause blieben.

Volksfest dann auf der Air Base. Musikkapellen marschierten durch die Zuschauermassen. in einige Flugzeuge konnte man hineinkriechen. Es gab bei dem immer wärmer bis heißer werdenden Tag das berühmte wohlschmeckende amerikanische Eis, von dem auch viele Kinder hingelockt wurden. Deutsche und amerikanische Menschen mischten sich wie jedes Jahr und begegneten sich wie gewünscht ohne Probleme. Der größte Teil der Menschen meinte auch sicherlich damit unseren amerikanischen Freunden näher zu kommen, ein Wunsch, der sich gerade in der Region Kaiserslautern verwirklichte. Es gab nach dem letzten Krieg hier viele eheliche Verbindungen aus denen auch viele unproblematisch hier lebende farbige Pfälzer Kinder hervorgingen. Also eine erfreulich offene, weltläufige Gegend (geschichtlich schon seit Jahrhunderten ein sich mischendes Grenzland ).

Dann am Nachmittag die Flugvorführungen. Da zog man schon mal den Kopf ein, wenn nur 200 m entfernt zwei Düsenjäger mit 600 bis 800 km/h im Abstand von nur 2 m aneinander vorbeirasten und farbige Rauchfahnen hinter sich ließen. Der Nervenkitzel war perfekt. Einige (oft Frauen) flüchteten aber schon dabei in fast Panikreaktion, da dies nun nicht mehr Fernsehen war, und die Erfahrung in der Realität doch andere Gefühle auslöste.

(Furcht schützt das Leben !)

Es war schon alles so gut wie vorüber als das Schicksal zuschlug und drei Maschinen am Boden zerschellten, eine davon mitten in die heiter gestimmten Zuschauer.

 

Noch nie wurde mit Tausenden von Foto- und Videokameras eine Katastrophe vor, während und danach so dokumentiert, wie die von Ramstein. Es existieren einige Film- und Tondokumente in denen Menschen ihren eigenen Tod festhielten. Überlebende aus der Unglücksstelle berichteten, daß sie so fasziniert waren von der Explosion am Himmel und dem anrollenden Feuerball, daß sie glaubten, das gehöre zur Vorführung. Ein Mann fotografierte gerade die Gruppe seiner Freunde und Verwandten, die im nächsten Moment alle sterben mußten. Dieses Bild ist aus seiner angeschmolzenen Fotokamera danach entwickelt worden. In Panik sprang er einige Meter fort, hinter ein Auto, das ihm vor der 2000 Grad Hitzestrahlung Schutz bot. Als er seine Verlobte, die vor ihm gerade noch saß und strickte, weil sie "der Zirkus" nicht interessierte (wie sie kurz vor ihrem Tode noch sagte), sofort suchen wollte,--fand er sie nie mehr. Sie wurde als vorletztes verbranntes Opfer erst nach 5 Tagen durch eine frühere Röntgenaufnahme und einen Zahnstatus identifiziert. Der junge Mann überlebte nur mit geringen leichten Verbrennungen -ein Wunder in der Katastrophe !

Die schreckliche Bilanz. 

31 Menschen mußten an der Unglückstelle ihr Leben lassen. 28 davon wurden durch Trümmerteile erschlagen, bevor sie verbrannten. Dies konnte anhand der Obduktionsprotokolle ausgesagt werden. Bis zum 21.11.1988 starben insgesamt 70 Personen. 450 Personen wurden schwer verletzt. Viele von ihnen sind noch immer in Behandlung. Den danach an den Folgen noch Verstorbenen Opfern und Angehörigen soll an der nun öffentlich zugänglichen Gedenkstelle gedacht werden.

Hoffnungsschimmer. Die "Initiative Ramstein-Opfer" hat sich jetzt einen der renommiertesten Anwälte für Flugzeugunglücke genommen. Professor Dr. Elmar- Giemulla (46) betreut z. B. die Hinterbliebenen der Birgenair-Katastrophe. Zwei entscheidende Punkte will der Jurist ins Spiel bringen, wenn er den Fall Ramstein aufrollt. "Wir müssen endlich die Haftungsfrage klären. Wir wollen erreichen, daß Ramstein kein Nato-Manöver, sondern eine normale Flugschau war. Dann gilt deutsches Recht, und der Veranstalter, in diesem Fall die Vereinigte Staaten, wäre voll haftbar zu machen." Für Giemulla steht fest, daß eklatante Sicherheitsmängel vorlagen. Die wichtigsten: Luftübungen vor Publikum müssen mindestens 250 Meter entfernt sein. In Ramstein waren es an manchen Stellen nur 86 Meter. Und: Derartige Manöver dürfen nicht zum Publikum hingezogen werden. Die Herz-Formation" der Frecce Tricolori hat diese Vorschrift nicht berücksichtigt. Der 2. Punkt, den Professor Giemulla ins Rennen schicken will, ist so mysteriös wie spektakulär:

Am 28. Juli 1980 überfliegt eine DC 9 der Alltalia das Meer zwischen dem italienischen Festland und Sizilien. Plötzlich verschwindet die Maschine in der Nähe der Insel Ustica. An Bord befinden sich 81 Personen. Am nächsten Tag steht fest: Die DC 9 ist ins Meer gestürzt, keiner der Insassen hat überlebt. Absturzursache? Jahrelang unklar.

Der vertuschte Abschuß. 18Jahre nach dem Unglück kommen jetzt unglaubliche Einzelheiten über den Fall "Ustica" ans Tageslicht. Höchstwahrscheinlich war die DC 9 von NATO-Kampfflugzeugen irrtümlicherweise abgeschossen worden, als sie eine libysche Militärmaschine verfolgten. Der amerikanische Geheimdienst CIA, vermuten Insider heute, glaubte offenbar, daß in der MIG Libyens Staatschef Ghaddafi saß. Nach dem Absturz verschwinden Flugunterlagen, Dokumente, Radarbilder wie von Zauberhand - der 28. Juli 1980 findet im offiziellen Italien nicht mehr statt.

Doch es gibt Zeugen.

Eine nahegelegene Airbase der italienischen Armee in Grosseto schickt in derselben Nacht routinemäßig zwei Karnpfflugzeuge auf Erkundung. Die Piloten: Ivo Nutarelli und Maria Naldini. Welche Erkenntnisse die beiden Offiziere mitbrachten, wird wohl nie ans Tageslicht kommen.

Das geheimnisvolle Zeugensterben

Zunächst trifft es einen der Hauptermittler im Fall "Ustica", Ugo Zamarelli (Motorradunfall). Es Borgen in den Jahren '86 bis '88: Militär-Radarlotse Mario Alberto Detori (erhängt), der in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1980 Dienst hatte; der kommandierende Offizier von Grosseto Plus Stellvertreter (beide Autounfall); der Bürgermeister von Grosseto (Herzattacke). Insgesamt kommen 15 Personen, alle mit dem Fall "Ustica" befaßt, um. In allen Fällen läßt die Todesursache Raum für Mord-Spekulationen. Die zwei wichtigsten Zeugen. Es sind Ivo Nutarelli, einer der erfahrensten Militärpiloten Italiens, und sein Kollege Maria Naldini. Sie sind die letzten in der Serie der 15 Toten. Beide sind 8 Jahre nach "der Nacht von Ustica" Mitglieder der Elitestaffel "Frecce Tricolori.". Eine Woche vor dem Ramstein-Auftritt ist ein Übungsflug, mit den beiden geplant. Der Test findet nicht statt, aus ungeklärten Gründen. Zehn Tage nach der Flugschau in Ramstein sollen sie vor einem "Ustica"-Untersuchungsausschuß aussagen. Dazu kommt es nicht mehr, sie kollidieren miteinander, das Inferno von Ramstein beginnt. Professor Elmar Giemulla: "Es besteht der Verdacht, daß die Toten und Verletzten von Ramstein Opfer einer Militär-Verschwörung wurden.

Quelle: Neue Revue Nr. 53 1997 mit freundlicher Genehmigung des Verlages

 

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